
Im Sport zeigt sich Ambivalenz besonders deutlich: zwischen Festhalten (Anspannung) und Loslassen (Entspannung), Risiko und Sicherheit, Ich und Team. Oftmals geht es „um die Wurst“ - kognitive Prozesse dürfen nicht blockiert oder einseitig sein, sonst wird das Erreichen eines Flow-Zustandes unmöglich. Ebenfalls geht es um das sogenannte Momentum. Wie ensteht dieses und warum steuert dieses den Verlauf von Spielen.
Du erfährst hier, wie und warum solche Zustände entstehen und wie Bewertungen, Druck und innere Muster darüber entscheiden, ob Potential zugänglich wird und ausgeschöpft werden kann oder verloren geht
…warum und wie Momentum entsteht – und warum es manchmal unerreichbar bleibt.
…wie Spannung, Mut und Selbstregulation sportliche Leistung prägen.
…wie Bewertungen und Druck innere Blockaden erzeugen.
Der entscheidende Moment im Sport ist nicht der, in dem wir alles kontrollieren, sondern der, in dem Körper, Aufmerksamkeit und Handlung mühelos zusammenfinden.
Meisterschaft besteht nicht darin, alles zu kontrollieren, sondern im richtigen Moment loszulassen.
Fallbeispiele
Eine Fußballmannschaft (2. Liga) steht unter dem Druck, in die erste Liga aufsteigen zu wollen. Der Trainer kennt seine Spieler genau – insbesondere, wie sie auf Druck reagieren und welchen Einfluss das auf ihre Spielweise hat.
Dazu ist eine differenzierte Kenntnis ihrer Stimmungs- und Bewertungsinstrumente erforderlich, um frühzeitig zu erkennen, welche Spieler zu extremen Regulationsmustern neigen: zum Beispiel zu einer Überaktivierung im Sinne von Erfolgsbesessenheit, oder zu einer lähmenden Hemmung aus Angst vor dem Versagen.
Gleichzeitig weiß der Trainer auch, wie sein eigenes Verhalten, seine Kommunikation und Ausstrahlung sich verändern, wenn er unter Stress oder Angst gerät und dabei seine Gelassenheit verliert. Er versteht die Resonanz- und Wechselwirkungsprozesse, die zwischen ihm und seinen Spielern entstehen – und reflektiert seine eigene Anspannung sowie die Wirkung seiner inneren Haltung.
Diese Selbstwahrnehmung ermöglicht es ihm, seine Beziehungsgestaltung gezielt und hilfreich an den individuellen Bewertungssystemen seiner Spieler auszurichten.
In der Mannschaft herrscht eine Kultur des offenen, gemeinsamen Austausches, in der sich niemand fürchten muss, sich zu zeigen. Keiner wird beschämt, abgewertet oder als weniger wichtig wahrgenommen.
Gegenseitige Unterstützung kann in einem solchen Rahmen gezielt und nicht zufällig entstehen. Wenn Fehler passieren, wird nicht nach Schuldigen gesucht, sondern gemeinsam reflektiert, wie sich ähnliche Situationen zukünftig funktionaler bewältigen lassen.
Maria (23) bereitet sich auf „Flow“-Zustände bewusst vor, indem sie in einer inneren Einkehr (Trance) Kontakt mit ihrem Stimmungs- und Bewertungsinstrument aufnimmt. Sie prüft, welcher Pol aktuell besonders aktiviert ist (siehe Grafik) und ob ihre inneren Dialoge zuversichtlich und aufbauend verlaufen.
Abwertungen, Befürchtungen und Unsicherheiten begegnet sie liebevoll und fragt diese, was sie Gutes für sie erreichen oder was sie möglicherweise verhindern wollen. So führt sie alle widerstreitenden Anteile wertschätzend zusammen – so dass keine energetischen Blockaden entstehen und keine Bewältigungsstrategien in ein „zu viel“ oder „zu wenig“ münden.
Der Trainer einer Mannschaft ist in seinem Erleben stark vom Verhalten anderer Menschen abhängig. Sein unwillkürliches und schnelles Bewertungssystem reagiert besonders empfindlich auf Signale, die seinen Wert und damit sein Zugehörigkeitsgefühl infrage stellen könnten. Selbst ungefährliche Äußerungen anderer können ihn innerlich unruhig machen – sein Ausdruck wirkt dann angriffslustig und aggressiv, auch wenn das nicht beabsichtigt ist. Bei seinen Spielern entstehen dadurch ungünstige Resonanzen und Wechselwirkungsprozesse – insbesondere bei jenen, die selbst sensibel und feinfühlig auf Unsicherheiten von anderen reagieren.
Diese Spieler verlieren in solchen Momenten den Zugriff auf ihre Kompetenzen, obwohl sie nicht verstehen, warum etwas, das normalerweise mühelos gelingt, plötzlich nur noch mit Anstrengung möglich ist.
Max (24) hat seinen Stammverein verlassen, um höherklassig zu spielen. Die Vorgespräche mit dem neuen Verein verliefen günstig, und er entschied sich für den Wechsel. Auf seiner Position spielt dort ein in die Jahre gekommenes „Eigengewächs“, für den Max als Nachfolger vorgesehen war. Max vertraut den Aussagen des Vereins und geht davon aus, dass er sich – wie in der Vergangenheit – mit seinen Leistungen zum Stammspieler entwickeln wird.
Doch zu seiner Überraschung bleibt er in der Rolle des Ersatzspielers. Sein Konkurrent wirkt sympathisch, ist gut mit den Leistungsträgern vernetzt und genießt offenkundig deren Rückhalt.
Max inneres Empfindungs- und Bewertungssystem reagiert mit Passivität und Konfliktvermeidung. Es fehlt ihm in der Folge an Schärfe und innerer Spannung. Seine Aufmerksamkeit wird anfällig für Ablenkung – sowohl von innen als auch von außen. Er macht Fehler, die ihm sonst nicht unterlaufen. Frustriert beginnt er, sich in seinem inneren Dialog abzuwerten, was die Situation zusätzlich verstärkt.
Vom Verstehen ins Handeln
Welche Gedanken nimmst du aus diesem Kapitel mit?
Welche Beobachtung möchtest du in den nächsten Tagen bewusst machen?
Welche Beziehungen in deinem Leben (zu dir, zu Anderen, zu bestimmten Anteilen von dir, etc.) würdest du gerne mit neuen Augen betrachten?
Verstehen ist selten das Ende eines Weges. Oft beginnt damit erst die eigene Auseinandersetzung. Welche nächsten Schritte für dich stimmig sind, kannst nur du selbst entscheiden. Wenn du dabei den Austausch mit anderen suchst, findest du in unserer Community einen offenen Ort für gemeinsame Reflexion.



